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<title>Evolutionäre Ästhetik</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Evolutionäre Ästhetik</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr">
<p>Die <b>evolutionäre Ästhetik</b> beschäftigt sich mit der <a href="Evolution" title="Evolution">evolutionären</a> Entstehung und Entwicklungsgeschichte des ästhetischen Empfindens. Die evolutionäre <a href="%C3%84sthetik" title="Ästhetik">Ästhetik</a> greift dabei auf Ansätze der <a href="Evolution%C3%A4re_Erkenntnistheorie" title="Evolutionäre Erkenntnistheorie">evolutionären Erkenntnistheorie</a> zurück.
</p><p>Im Detail wird der Begriff „evolutionäre Ästhetik“ – wie auch der Begriff „Ästhetik“ selbst – unterschiedlich verwendet,<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> insbesondere für die Untersuchung
</p>
<ul><li>der Frage, warum Menschen etwas schön oder hässlich finden bzw. warum sie von bestimmten Reizen angezogen werden,</li>
<li>der Ursprünge von Kunst und künstlerischer Tätigkeit,</li>
<li>der Entstehung bestimmter universeller Wahrnehmungsweisen, zum Beispiel, dass die Farben Rot und Gelb, insbesondere in der Kombination mit Schwarz, überall auf der Welt als <a href="Signalfarbe" title="Signalfarbe">Signalfarben</a> wahrgenommen werden.</li></ul>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Evolutionstheorie_des_ästhetischen_Empfindens"><span id="Evolutionstheorie_des_.C3.A4sthetischen_Empfindens"></span>Evolutionstheorie des ästhetischen Empfindens</h2></div>
<p>Nach der Theorie der <a href="Evolution%C3%A4re_Psychologie" title="Evolutionäre Psychologie">evolutionären Psychologie</a> ist auch das ästhetische Empfinden des Menschen das Ergebnis evolutionärer <a href="Selektion_(Evolution)" title="Selektion (Evolution)">Anpassung</a>.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Vorausgesetzt wird, dass es eine <a href="Gen" title="Gen">genetische</a> Grundlage für bestimmte ästhetische Vorlieben gibt, die sich im Laufe der <a href="Stammesgeschichte_des_Menschen" title="Stammesgeschichte des Menschen">Evolution des Menschen und seiner Vorfahren</a> entwickelt haben, sowie einen evolutionär begründbaren Vorteil durch ästhetische Vorlieben. Menschen reagieren auch heute noch auf bestimmte <a href="Schl%C3%BCsselreiz" title="Schlüsselreiz">Schlüsselreize</a>, die in früheren Jahrmillionen dem Überleben, der Fortpflanzung und der Weitergabe der menschlichen Gene förderlich waren. Ähnliches wie für Schlüsselreize soll demnach auch für ästhetische Empfindungen gelten.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Anpassung_der_Präferenzen_an_natürliche_Lebensbedingungen"><span id="Anpassung_der_Pr.C3.A4ferenzen_an_nat.C3.BCrliche_Lebensbedingungen"></span>Anpassung der Präferenzen an natürliche Lebensbedingungen</h3></div>
<p>Die evolutionäre Ästhetik geht davon aus, dass sich das ästhetische Empfinden an die natürlichen Lebensbedingungen angepasst hat. So lässt sich beispielsweise nachweisen, dass Menschen in allen Kulturen Flusslandschaften sowie halboffene Parklandschaften besonders reizvoll finden.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Dies, so vermuteten Evolutionspsychologen, sei ein Erbe des Lebens in der Savanne, wo für die Frühmenschen Landschaften von Vorteil waren, die Aussicht auf Nahrung und Wasser, zugleich aber auch einen gewissen Schutz boten.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der Evolutionsbiologe <a href="Carsten_Niemitz" title="Carsten Niemitz">Carsten Niemitz</a> wiederum sieht in der Attraktivität von Wasserlandschaften ein Indiz dafür, dass Gewässer ein zentraler Lebensraum der frühen Vorfahren des Menschen gewesen sind.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Sexuelle_Selektion">Sexuelle Selektion</h3></div>
<p>Eine zweite Form der Anpassung, die in der Evolution des Schönheitsempfindens eine Rolle spielt, ist die <a href="Sexuelle_Selektion" title="Sexuelle Selektion">sexuelle Selektion</a>, wie sie bereits <a href="Charles_Darwin" title="Charles Darwin">Charles Darwin</a> beschrieben hat.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Mit ihr lassen sich insbesondere solche ästhetischen Präferenzen begründen, die bei der Partnerwahl eine Rolle spielen, etwa die körperliche Attraktivität. Mit dem Modell der sexuellen Selektion lassen sich eine Vielzahl ästhetischer Präferenzen erklären.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Bestimmte Merkmale des Gesichts werden ebenfalls fast durchgehend als attraktiv gewertet. Nach Ergebnissen von Rhodes (2006) sind
</p>
<ul><li>Durchschnittlichkeit,</li>
<li>Symmetrie und</li>
<li><a href="Sexualdimorphismus" title="Sexualdimorphismus">Sexualdimorphismus</a></li></ul>
<p>in weiblichen und männlichen Gesichtern attraktiv.<sup id="cite_ref-Rhodes_8-0" class="reference"><a href="#cite_note-Rhodes-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Versuche am Computer ergaben, dass in Bezug auf die Gesichtsproportionen ein weibliches Durchschnittsgesicht als besonders attraktiv empfunden wird. Gesichtsproportionen, die genau dem Durchschnitt der Bevölkerung entsprechen, so lautete die Interpretation, signalisieren ein hohes Maß an Gesundheit. Später zeigte sich allerdings, dass es Gesichter gab, die von den Testpersonen als noch attraktiver beurteilt wurden, nämlich solche, bei denen bestimmte Proportionen – etwa die Höhe der Wangenknochen oder der Abstand zwischen Kinn und Mund markant vom Durchschnitt abwichen.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p><a href="Symmetrie_(Geometrie)" title="Symmetrie (Geometrie)">Symmetrie</a> ist im Gesicht und im Körperbau ein bevorzugtes Merkmal, weil es sich durch die sexuelle Selektion als ein Indikator für Gesundheit herausgebildet hat.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> So ergaben Untersuchungen, dass Frauen eine Präferenz für Männer zeigen, die gut tanzen können. In einer Studie, die in <a href="Jamaika" title="Jamaika">Jamaika</a> durchgeführt wurde, stellte sich heraus, dass die Körper derjenigen Männer, denen die Frauen gerne beim Tanzen zusahen, eine stärkere Symmetrie aufweisen.<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In weiblichen Gesichtern werden feminine Züge (z.&nbsp;B. kleineres Kinn, höhere Wangenknochen, vollere Lippen) als attraktiv empfunden, wobei Femininität nach Rhodes sogar ein stärkerer Faktor als Durchschnittlichkeit ist. Maskuline Gesichtszüge (z.&nbsp;B. kräftiger Unterkiefer) hängen ebenfalls mit Attraktivität zusammen, wobei die Forschungsergebnisse teilweise widersprüchlich sind und der Zusammenhang laut Rhodes weniger ausgeprägt ist als bei Femininität in weiblichen Gesichtern. Sehr feminine Züge in weiblichen bzw. sehr maskuline Merkmale in männlichen Gesichtern repräsentieren einen hohen Geschlechtshormonspiegel (<a href="%C3%96strogen" class="mw-redirect" title="Östrogen">Östrogen</a> bzw. <a href="Testosteron" title="Testosteron">Testosteron</a>) im Blut des Individuums.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Einige Studien haben gezeigt, dass Gesichter von Männern mit einem hohen Testosteronspiegel von Frauen als attraktiver empfunden werden,<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> während andere Untersuchungen zum Ergebnis kamen, dass Männer mit einem hohen Testosteronspiegel von Frauen als männlicher und dominanter, aber nicht attraktiver, bewertet werden.<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Gesichter von Frauen mit einem hohen Östrogenspiegel werden laut einer Studie aus 2006 als femininer, attraktiver und gesünder wahrgenommen.<sup id="cite_ref-17" class="reference"><a href="#cite_note-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Geschlechtshormone wirken immunsupprimierend (der Grund hierfür liegt in der chemischen Struktur; Testosteron und Östrogen sind Verwandte der bekannten immunsupprimierenden Medikamente <a href="Cortison" title="Cortison">Cortison</a> und <a href="Prednison" title="Prednison">Prednison</a>). Deshalb können sehr feminine bzw. sehr maskuline Gesichtszüge nach Rhodes ein Zeichen für ein intaktes <a href="Immunsystem" title="Immunsystem">Immunsystem</a> sein, weil sich nur gesunde Frauen und Männer sehr feminine bzw. sehr maskuline Gesichtszüge leisten können. Zum Zusammenhang von Durchschnittlichkeit, Symmetrie und Sexualdimorphismus mit Gesundheit liegen nach Rhodes aber keine aussagekräftigen Studien vor.<sup id="cite_ref-Rhodes_8-1" class="reference"><a href="#cite_note-Rhodes-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Schwierigkeiten_und_Kritik">Schwierigkeiten und Kritik</h3></div>
<p>Wie bei anderen Modellvorstellungen der <a href="Evolutionspsychologie" class="mw-redirect" title="Evolutionspsychologie">Evolutionspsychologie</a> besteht eine zentrale Schwierigkeit darin, dass sich viele Thesen bestenfalls plausibilisieren, aber kaum nachvollziehbar rekonstruieren lassen.<sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, evolutionär bedingte ästhetische Präferenzen von kulturell geprägten zu unterscheiden. Ein evolutionärer Hintergrund würde bedeuten, dass es sich bei den jeweiligen ästhetischen Vorlieben um <a href="Iren%C3%A4us_Eibl-Eibesfeldt#Universalien_menschlichen_Verhaltens" title="Irenäus Eibl-Eibesfeldt">Universalien</a> handelt, sie also bei Menschen aller Kulturen zu beobachten sind. Dies ist jedoch nur in einzelnen Fällen nachweisbar. <a href="G%C3%A1bor_Pa%C3%A1l" title="Gábor Paál">Gábor Paál</a> bezeichnet diese Art von Präferenzen als „elementarästhetisch“.<sup id="cite_ref-19" class="reference"><a href="#cite_note-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Zudem kann die evolutionäre Ästhetik nicht erklären, wie es innerhalb relativ kurzer Zeiträume zu grundlegenden Veränderungen ästhetischer Präferenzen gekommen ist, beispielsweise dass im 18. Jahrhundert Gebirge, deren Anblick man zuvor vermieden hatte, nun wegen ihrer ästhetischen Qualitäten aufgesucht wurden – ein Wandel, für den kulturalistische Ansätze plausible Erklärungen anzubieten vermögen.<sup id="cite_ref-20" class="reference"><a href="#cite_note-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der Versuch, konkrete <a href="Sch%C3%B6nheitsideal" title="Schönheitsideal">Schönheitsideale</a> evolutionär zu erklären, beinhaltet meist die Gleichsetzung von Schönheit mit biologischer „<a href="Attraktivit%C3%A4t" title="Attraktivität">Attraktivität</a>“ bzw. von Schönheits- mit „Lust“-empfinden.<sup id="cite_ref-21" class="reference"><a href="#cite_note-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <a href="G%C3%A1bor_Pa%C3%A1l" title="Gábor Paál">Paál</a> weist jedoch darauf hin, dass die biologische Reaktion auf einen attraktiven Reiz meist unbewusst abläuft, während ein ästhetisches Urteil eine vergleichend-abwägende, also geistige Entscheidung ist.<sup id="cite_ref-22" class="reference"><a href="#cite_note-22"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Mittlerweile mehren sich auch die Hinweise aus der Neurowissenschaft, dass beim Lustempfinden andere Prozesse im Gehirn aktiv sind als beim bewussten ästhetischen Urteil, ob ein Objekt schön ist oder nicht.<sup id="cite_ref-23" class="reference"><a href="#cite_note-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Auch zeigt sich, dass bei Prozessen, die mit biologischer Attraktivität zu tun haben eher Bereiche des <a href="Limbisches_System" title="Limbisches System">limbischen Systems</a> tätig sind, während hingegen ästhetische Urteile vor allem in der Großhirnrinde gefällt werden.<sup id="cite_ref-24" class="reference"><a href="#cite_note-24"><span class="cite-bracket">[</span>24<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Kunsttheorie_der_evolutionären_Ästhetik"><span id="Kunsttheorie_der_evolution.C3.A4ren_.C3.84sthetik"></span>Kunsttheorie der evolutionären Ästhetik</h2></div>
<p><a href="Evolutionspsychologie" class="mw-redirect" title="Evolutionspsychologie">Evolutionspsychologen</a> versuchen, die <a href="Kognition" title="Kognition">kognitiven</a> Voraussetzungen für die Entstehung von Kunst sowie die Funktion früher Kunstwerke zu ergründen. Ein Ansatzpunkt ist, das offenbar recht zeitgleiche Auftreten verschiedener Formen künstlerischer Tätigkeit zu erklären. Dazu gehören die ältesten bildhaften Kunstwerke und Skulpturen, die im <a href="Lonetal" title="Lonetal">Lonetal</a> auf der Schwäbischen Alb gefunden wurden und etwa 35.000 bis 40.000 Jahre alt sind.<sup id="cite_ref-25" class="reference"><a href="#cite_note-25"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Aus etwa der gleichen Zeit stammen die ältesten bekannten Musikinstrumente – die Flöten von <a href="Gei%C3%9Fenkl%C3%B6sterle" title="Geißenklösterle">Geißenklösterle</a>.<sup id="cite_ref-26" class="reference"><a href="#cite_note-26"><span class="cite-bracket">[</span>26<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Auch frühe Stein- und Höhlenmalereien werden zu den frühen Formen der Kunst gezählt.<sup id="cite_ref-27" class="reference"><a href="#cite_note-27"><span class="cite-bracket">[</span>27<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Warum frühe Kunstformen in dieser Epoche der Altsteinzeit erstmals aufgetreten sind und welche genaue Funktion sie hatten, ist unklar. Manche Anthropologen gehen davon aus, dass religiöse oder kultische Motive eine Rolle gespielt haben, aber dies lässt sich in den meisten Fällen nicht beweisen.<sup id="cite_ref-28" class="reference"><a href="#cite_note-28"><span class="cite-bracket">[</span>28<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Das besondere an diesen frühen Formen der Kunst ist, dass sie von Beginn an handwerklich ausgefeilt sind: Es lassen sich in der Entwicklung der frühen Kunst keine „Experimentierphasen“ beobachten, in dem Sinn, dass etwa ältere Skulpturen noch technische Mängel aufweisen würden. Dies zeigt aus Sicht von Steven Mithen, dass die handwerklichen Fähigkeiten bereits vor der Entstehung der ersten Kunstwerke vorhanden waren.<sup id="cite_ref-29" class="reference"><a href="#cite_note-29"><span class="cite-bracket">[</span>29<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> So war die Fähigkeit, aus der visuellen Vorstellung heraus ein Objekt anzufertigen, schon Jahrhunderttausende zuvor Voraussetzung für die Herstellung von <a href="Faustkeil" title="Faustkeil">Faustkeilen</a>. Im Unterschied zu Werkstücken wie den Faustkeilen zeichnen sich die Werke, die als Kunst betrachtet werden, durch weitere Merkmale aus: Sie nehmen Bezug auf etwas Entferntes (stellen etwa Tiere in der Wildnis dar) und sie haben offensichtlich eine wie auch immer geartete symbolische Bedeutung.<sup id="cite_ref-30" class="reference"><a href="#cite_note-30"><span class="cite-bracket">[</span>30<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Diese symbolische Bedeutung wird daran deutlich, dass viele Darstellungen viel detailgetreuer sind als es für praktische Zwecke notwendig wäre und dass es sich bei vielen Darstellungen nicht um naturgetreue Abbildungen von Objekten handelt, sondern sie stilistisch abgewandelt sind oder es sich um Abbildungen unnatürlicher Wesen handelt wie beim <a href="L%C3%B6wenmensch" title="Löwenmensch">Löwenmenschen</a> von Hohlenstein-Stadel oder bei Malereien in der französischen Höhle <a href="Chauvet-H%C3%B6hle" title="Chauvet-Höhle">Chauvet</a>, die ein Mischwesen aus Mensch und Bison zeigen.<sup id="cite_ref-31" class="reference"><a href="#cite_note-31"><span class="cite-bracket">[</span>31<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>So wird als eine der Voraussetzungen für Kunst die Fähigkeit zum <a href="Symbol" title="Symbol">symbolischen</a> Denken gesehen, die offenbar erst der <a href="Mensch" title="Mensch"><i>Homo sapiens</i></a> entwickelte.<sup id="cite_ref-32" class="reference"><a href="#cite_note-32"><span class="cite-bracket">[</span>32<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Ursprünge des symbolischen Denkens führen manche Frühhistoriker wiederum darauf zurück, dass <i>Homo sapiens</i> in der Lage war, verschiedene kognitive Fähigkeiten miteinander zu verknüpfen.<sup id="cite_ref-33" class="reference"><a href="#cite_note-33"><span class="cite-bracket">[</span>33<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Theorien darüber, welche gesellschaftliche Funktion frühe Kunstwerke wirklich hatten, bergen die gleichen methodischen Schwierigkeiten, wie die oben angesprochenen Theorien über die Wurzeln des Schönheitsempfindens: Es gibt keine Quellen, die über die ursprünglichen „Motive“ der Steinzeitmenschen Auskunft geben könnten.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Evolution%C3%A4re_Ethik" title="Evolutionäre Ethik">Evolutionäre Ethik</a></li>
<li><a href="Attraktivit%C3%A4tsforschung" title="Attraktivitätsforschung">Attraktivitätsforschung</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<dl><dt>Fachliteratur</dt></dl>
<ul><li>P. Baukus: <i>Biologie der ästhetischen Wahrnehmung.</i> In: R. Riedl, M. Delpos (Hrsg.): <i>Die Evolutionäre Erkenntnistheorie im Spiegel der Wissenschaften.</i> WUV, Wien 1996, S. 239–261.</li>
<li>Colin Martindale, Paul Locher, Vladimir M. Petrov (Hrsg.): <i>Evolutionary and Neurocognitive Approaches to Aesthetics, Creativity and the Arts.</i> Baywood, Amityville 2007.</li>
<li>Ellen Dissanayake: <i>What Is Art For?</i> University of Washington Press, Seattle 1988.</li>
<li><a href="Iren%C3%A4us_Eibl-Eibesfeldt" title="Irenäus Eibl-Eibesfeldt">Irenäus Eibl-Eibesfeldt</a>: <i>The Biological Foundation of Aesthetics.</i> In: I. Rentschler, B. Herzberger, D. Epstein (Hrsg.): <i>Beauty and the Brain</i> Birkhäuser, Basel / Boston / Berlin 1988, S. 29–68.</li>
<li>Karl Eibl: <i>Animal Poeta.</i> Bausteine der biologischen Kultur- und Literaturtheorie. Mentis 2004.</li>
<li><a href="Karl_Grammer" title="Karl Grammer">Karl Grammer</a>, B. Fink, A. P. Møller, Randy Thornhill: <i>Darwinian Aesthetics: Sexual Selection and the Biology of Beauty.</i> In: <i>Biological Review.</i> 78/3 (2003), S. 385–407.</li>
<li>Cathrin Gutwald, Raimar Zons (Hrsg.): <i>Die Macht der Schönheit.</i> Fink, München 2007.</li>
<li>B. L. van Lierop: <i>Evolutionary Aesthetics.</i> In: <i>British Journal of Aesthetics.</i> 44/4 (2004), S. 444f.</li>
<li>Winfried Menninghaus: <i>Das Versprechen der Schönheit.</i> Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003.</li>
<li><a href="Geoffrey_Miller" title="Geoffrey Miller">Geoffrey Miller</a>: <i>Sexual selection for cultural displays.</i> In: R. Dunbar, C. Knight, C. Power (Hrsg.): <i>The Evolution of Culture - An Interdisciplinary View.</i> Edinburgh U.P., Edinburgh 1999, S. 71–91.</li>
<li><a href="Geoffrey_Miller" title="Geoffrey Miller">Geoffrey Miller</a>, Jorunn Wissmann: <i>Die sexuelle Evolution. Partnerwahl und die Entstehung des Geistes.</i> Spektrum Akademischer Verlag, 2001, ISBN 3-8274-1097-5.</li>
<li><a href="Steven_Mithen" title="Steven Mithen">Steven Mithen</a>: <i>The prehistory of the mind. A search for the origins of art, religion and Science.</i> London 1996.</li>
<li><a href="G%C3%A1bor_Pa%C3%A1l" title="Gábor Paál">Gábor Paál</a>: <i>Woher kommt der Sinn für das Schöne? Grundzüge einer evolutionären Ästhetik.</i> In: Helmut A. Müller (Hrsg.): <i>Evolution: Woher und Wohin. Antworten aus Religion, Natur- und Geisteswissenschaften.</i> Göttingen 2008, S. 165–179.</li>
<li>E. Ralevski: <i>Aesthetics and art from an evolutionary perspective.</i> In: <i>Evolution and Cognition.</i> 6 (2000), S. 84–103.</li>
<li>G. Rhodes, L. A. Zebrowitz (Hrsg.): <i>Facial Attractiveness: Evolutionary, Cognitive, and Social Perspectives.</i> Ablex, Westport, CT 2001.</li>
<li>Klaus Richter: <i>Die Herkunft des Schönen. Grundzüge der evolutionären Ästhetik.</i> Philipp von Zabern, Mainz 1999, ISBN 3-8053-2539-8.</li>
<li>P. Sitte: <i>Bioästhetik, Biologie zwischen Erkennen und Erleben.</i> In: P. Sitte (Hrsg.): <i>Jahrhundertwissenschaft Biologie. Die großen Themen.</i> München 1999, S. 407–425.</li>
<li>V. Swami, A. Furnham: <i>The Psychology of Physical Attraction.</i> Taylor &amp; Francis, 2007.</li>
<li>V. Swami, A. Furnham (Hrsg.): <i>Body Beautiful: Evolutionary and Socio-cultural Perspectives.</i> Palgrave Macmillan, 2008.</li>
<li>Donald Symons: <i>Beauty is in the Adaptations of the Beholder: The Evolutionary Psychology of Human Female Attractiveness.</i> In: P. R.Abramson, S. D. Pinkerton (Hrsg.): <i>Sexual Nature, Sexual Culture.</i> University of Chicago Press, Chicago 1995, S. 80–118.</li>
<li>Randy Thornhill: <i>Darwinian Aesthetics.</i> In: Charles Crawford, Dennis L. Krebs (Hrsg.): <i>Handbook of Evolutionary Psychology.</i> Erlbaum, Mahwah, NJ 1998, S. 543–572.</li>
<li><a href="Eckart_Voland" title="Eckart Voland">Eckart Voland</a>, Karl Grammer (Hrsg.): <i>Evolutionary Aesthetics.</i> Springer, Berlin 2003, ISBN 3-540-43670-7. (<a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.springer.com/cda/content/document/cda_downloaddocument/9783540436706-t1.pdf?SGWID=0-0-45-95613-p2226340">Inhalt</a>, Rezensionen von <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.human-nature.com/nibbs/03/voland.html">A. Tomlin</a>, <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.uni-saarland.de/fak4/fr41/Engel/kulturpoetik/rez0803-%20Eibl.htm">K. Eibl</a>)</li></ul>
<dl><dt>Populäre Literatur</dt></dl>
<ul><li><a href="Desmond_Morris" title="Desmond Morris">Desmond Morris</a>: <i>Der malende Affe. Zur Biologie der Kunst.</i> 1968.</li>
<li>N. Etcoff: <i>Survival of the prettiest. The science of beauty.</i> Doubleday, New York 1999.
<ul><li>deutsch: <i>Nur die Schönsten überleben. Die Ästhetik des Menschen.</i> Hugendubel, München 2001.</li></ul></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li>Karl Eibl: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=8698&amp;ausgabe=200512"><i>Evolutionäre Ästhetik.</i></a> In: <i>literaturkritik.de</i> Nr. 12, Dezember 2005.</li>
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<li><a href="Wolfgang_Welsch_(Philosoph)" title="Wolfgang Welsch (Philosoph)">Wolfgang Welsch</a>: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.contempaesthetics.org/newvolume/pages/article.php?articleID=243"><i>Animal Aesthetics.</i></a> In: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.contempaesthetics.org/newvolume/pages/journal.php?volume=2"><i>Contemporary Aesthetics.</i> 2 (2004)</a>.<sup id="cite_ref-34" class="reference"><a href="#cite_note-34"><span class="cite-bracket">[</span>34<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li></ul>
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</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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